Warum eigentlich? – Eine Rohkost-Bilanz

Warum Rohkost?

Nach bald sieben Jahren Veganismus, davon drei hundertprozentiger Rohkost, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz.

Der übertriebene Enthusiasmus ist verflogen, die erste Krise, die (wie bei vielen Rohköstler) nach einem Jahr eingetreten war, gut überstanden. Mein Organismus ist umprogrammiert, Sicherheit hat sich eingestellt.

Eine Verwandte fragte mich kürzlich sinngemäß: „Sprossenziehen, Saaten aktivieren, Algen bestellen…, keine Essenseinladung annehmen, nirgends einkehren, „Fehler“ sofort unangenehm bemerken, … warum tust du dir das alles an, bist du wirklich so viel gesünder?!“

Dann zähle ich doch einmal ungeschönt auf, was ich an meinem Körper beobachtet konnte:

  • Gewicht: Mit dem Veganismus habe ich trotz Mengen an Soja und Fett deutlich abgenommen, von knapp 70 auf unter 60 kg. Im ersten Rohkostjahr ging es mit großen Mengen Fruchtzucker und fettiger Gourmetrohkost auf 55 kg. Unter der Hippocrates-Ernährung hat es sich bei geringerer Kalorienaufnahme stabilisiert und liegt jetzt bei rund 58 kg (Update Sommer 2017: 60 kg), Tendenz leicht steigend. Mehr brauche ich gefühlt nicht, nie war ich fitter.
  • Beweglichkeit und Haltung: Seit die Freude an der Bewegung und die positive innere Haltung sich verstärkt haben, ist mein Körper aufrechter und beweglicher. Das hat wahrscheinlich indirekt etwas mit der Ernährung zu tun und ist zeitgleich eingetreten.
  • Gesundheit allgemein: Auch in den veganen Kochkost-Jahren hatte ich äußerst selten Erkrankungen wie Schnupfen, Grippe etc. – regelmäßig einmal im Jahr. Neu seit der Rohkost: Die jährliche Grippe dauert nur noch einen bis zwei Tage, äußert sich durch Kratzen im Hals, Schleimbildung und Müdigkeit, hindert mich jedoch nicht daran, meine Aufgaben zu verrichten. Kurz: Ich bin praktisch nicht mehr krank. Habe seit über zehn Jahren keinen Arzt aufgesucht und sehe keinen Grund, damit anzufangen.
  • Zipperlein: Ein Ziehen im Knie, ein Stechen im Ellbogen… all das ist Geschichte. Wunden verheilen schnell.
  • Hautbild: Hier habe ich ehrlich gesagt kaum Verbesserungen festgestellt. Seit der Jugend ist meine Haut unrein, jetzt nur wenig besser. Das hat auch die Rohkost nicht geschafft.
  • Zähne: Meine dreißig Jahre lang einwandfreien Zähne haben im ersten Rohkostjahr stark gelitten, was übrigens keine Besonderheit zu sein scheint. Drei neue Kunststoff-Füllungen trage ich nun mit mir als Mahnung. Seit der Hippocrates-Ernährung ist der Zustand stabil. Ein kritisches Thema!
  • Schlaf: Im ersten Rohkostjahr habe ich kaum noch Schlaf gebraucht, unter fünf Stunden. Der Energielevel war enorm. Dann ging es abwärts auf fast acht Stunden/Nacht, unter der Hippocrates-Ernährung genügen mir jetzt im langen Schnitt sechseinhalb Stunden Schlaf. Als Kochköstler war ich stets ein Morgenmuffel, auch das ist vorbei. Fruchtzucker kann ich heute in Ausnahmefällen wie damals Koffein benutzen: Durch eine nächtliche achtstündige Autofahrt tragen mich drei Bananen problemlos – allerdings mit Kater am nächsten Tag.
    Insgesamt ein deutlicher Gewinn an aktiver Lebenszeit und Leistungsfähigkeit durch die Rohkost.
  • Verdauung: Meine Verdauung ist nun ein hochkomplexes und eingespieltes System. Vermutlich kann ich viele der positiven Veränderungen darauf zurückführen. Allerdings ist das System auch anfälliger. Bild: Ein alter (und langsamer) Schiffsmotor kann alles verbrennen, von Altöl bis Frittenbuden-Resten. Ein Raketenantrieb braucht eine ausgeklügelte Treibstoff-Rezeptur. So verzeiht mir mein starkes und sauberes System Ausrutscher schlecht. Disziplin und sorgfältige Essensplanung sind leider notwendig.

Zusammengefasst kann ich sagen: Für meinen Körper hat sich die Umstellung auf reine vegane Rohkost insgesamt gelohnt. Ich rechne nicht mehr mit größeren Überraschungen; mit der Hippocrates-Ernährung kann ich wohl gesund ein hohes Alter erreichen, sofern ich achtsam und diszipliniert bleibe und keinesfalls dogmatisch.

Aber jetzt kommt das, was ich eigentlich sagen möchte, meiner Verwandten aber verschwiegen habe.

Vergiss die Bilanz wieder, denn darauf kommt es nicht an!

Versteh mich nicht falsch, es ist in Ordnung, gesund und vital alt zu werden. Aber es ist nicht unsere Lebensaufgabe, nicht das, was die Evolution mit uns vorhat.

Genau, du hast es erraten. Worauf es ankommt, ist unser spiritueller Prozess. Bei einem so großen Raum, wie es das Thema Ernährung in meinem Leben eingenommen hat, ist eine Frage obligatorisch:

„Unterstützt dich deine Ernährungsweise auf dem Pfad des Erwachens?“

Nach meiner Erfahrung als Rohköstler bekenne ich hiermit: Selbst wenn sich meine Gesundheit verschlechterte, meine Lebenserwartung verkürzte: Ich bliebe bei der Rohkost.

Das Ausmaß, in dem meine Feinfühligkeit, meine Wachheit und auch (oft schmerzhaft) meine spirituelle Sehnsucht gewachsen sind, ist unbeschreiblich. Nie wieder möchte ich meine Sinne so dauerhaft dämpfen, wie es die Kochkost tut.

Einen Unterschied gäbe es jedoch: Hielte ich die reine Rohkost grundsätzlich für (körperlich) gesundheitsschädlich, würde ich sie nicht meinen Kindern angedeihen lassen.

Nun weißt du, weshalb ich Rohköstler bin. Was sieht deine Rohkost-Bilanz aus?

4 Replies to “Warum eigentlich? – Eine Rohkost-Bilanz”

  1. Hi,
    hast du die Früchteaufnahme in deinem ersten veganem Rohkostjahr beschränkt (z. B. Durch Kalorienzählen) oder hast du einfach so viel gegessen wie du wolltest und trotzdem weiter abgenommen?
    Danke

    1. Hi Tiffany!

      Im ersten veganen Rohkostjahr haben wir nichts beschränkt oder gezählt, nur im Laufe der Zeit festgestellt, dass es immer mehr wurde, wir immer mehr Obst in immer kürzeren Intervallen zu „brauchen“ meinten, um nicht an Leistungsfähigkeit einzubüßen.
      Abgenommen habe ich tatsächlich; hat mich aber lange nicht gestört, denn ich war ja so leistungsfähig und aktiv wie nie zuvor.

      Dass das nicht gesund war, ja, auf den Trichter mussten wir erst kommen, eben nach ca. einem Jahr.

  2. Du schreibst: „Die jährliche Krippe dauert nur noch einen bis zwei Tage …“

    Ich nehme an, du meinst hier nicht die „Krippe“, sondern die „Grippe“. 🙂

    Du fragst: „Unterstützt dich deine Ernährungsweise auf dem Pfad des Erwachens?“

    Meine Antwort lautet klar und eindeutig „Ja!“

    1. Klar, Grippe mit G, Danke!

      Inzwischen finde ich diese Frage für mich wichtiger als die nach der Gesundheit meines Körpers. Obwohl ich diese noch als Voraussetzung brauche, nicht jedoch als Selbstzweck.

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