Sieben vegane Jahre!

7 vegane Jahre

Sieben vegane Jahre

Der Entschluss viel kurz nach der Geburt unserer zweiten Tochter. Seither lebe ich mit meiner Familie komplett vegan. Den genauen Zeitpunkt kann ich nicht rekonstruieren, es muss aber noch im Sommer 2009 gewesen sein.

Damit steht diesen Herbst fest, dass ich mir seit vollen sieben Jahren keine tierischen Produkte mehr einverleibt habe.[1]

Seit meiner Kindheit kenne ich den Spruch, nach sieben Jahren habe sich der Körper komplett erneuert, jede Zelle, jedes Molekül. Somit müsste nun jedes Protein meiner stofflichen Erscheinung pflanzlicher Herkunft sein. Und zwischen den Teilchen dürfte sich auch kein Tierleid mehr in irgendeiner energetischen Form gehalten haben. Welch reines, sauberes Gefühl!

Nun genügt mir das „gesunde Halbwissen“ nicht, das aus so einem Allgemeinplatz spricht. Eine kurze Recherche musste stattfinden.
Das in doppelter Hinsicht harte wissenschaftliche Faktum lautet: Sieben Jahre sind ein guter Durchschnittswert für die Erneuerung der Zellen im menschlichen Körper. Viele Zellen, etwa Hautzellen, existieren wesentlich kürzer; einige aber, wie manche Gehirnzellen, bleiben unser ganzes Leben lang bestehen, sogar aus denselben Molekülen, da sie gar nicht repariert werden können (wenn kaputt, dann kaputt).
Von meiner lieben Mama während der Schwangerschaft (immer mit Skrupel!) verzehrtes Tierleid wird meiner Gehirnstruktur also auf ewig erhalten bleiben.
Der Enthusiasmus über die sieben veganen Jahre erhielt einen Dämpfer – das Gefühl der Reinheit bleibt (okay, was ist schon ein Gefühl?).

Irgendetwas ist aber dran an den sieben Jahren. Nicht umsonst bereisen Abenteurer die Sieben Weltmeere, bestaunt(e) man die Sieben Weltwunder, schreibt der Katze sieben Leben zu, packt seine Sieben Sachen, erschuf Gott die Welt in sieben Tagen und lebte Schneewittchen bei den Sieben Zwergen – um nur eine kleine Auswahl für die Universalität der Zahl Sieben zu nennen.

Jedenfalls feiere ich diesen Herbst, „ganz“ vegan zu sein.

Viele Menschen kenne ich übrigens nicht, die in dieser Konsequenz Langzeitveganer sind. Ich kann sie an zwei Händen abzählen. Die Beobachtungen an mir und in meiner veganen Familie zur körperlichen Gesundheit haben also einen hohen Stellenwert.
(Trotz allem theoretischen Wissen und der ADA-Studie im Kopf bleibt eine gewisse Restunsicherheit, befeuert durch die vielen propagandistischen Anti-vegan-Kampagnen und die Besorgnis aus der schulmedizinisch studierten Verwandtschaft.)
Da die Kinder mangels Vergleichsmöglichkeit (aufgrund ihres Alters haben sie gar keine bzw. nur eine sehr kurze nicht-vegane Phase erlebt) für eine Gegenüberstellung ausfallen – sie sind chronisch gesund und entwickeln sich prächtig –, bleiben nur wir zwei, meine geliebte Julia und ich für einen Vorher-nachher-Vergleich.

Mein Körper ist definitiv stärker (dabei leichter), beweglicher und gesünder als vor sieben Jahren. In dieser Zeit war ich genau einmal bei einem Arzt (um mir für eine Arbeitsstelle meine Gesundheit attestieren zu lassen) und versäumte kein einziges Mal krankheitsbedingt meine Aufgaben bei der Versorgung der Kinder. Das heißt, Zeiten der Krankheit (Schnupfen/Grippe) waren noch kürzer, seltener und weniger einschränkend als zuvor. Die letzte liegt nun anderthalb Jahre zurück und hat mich auch da nicht an einer achtstündigen nächtlichen Autofahrt nebst Ein- und Ausladen gehindert. Kurz: Mein Körper ist gesund. Das inkludiert mit Einschränkungen auch meine Zähne. Sie sind zwar schlechter als vor sieben Jahren (was in dieser Lebensphase auch bei Nichtveganern normal ist), auch haben sie mir das erste sehr fruchtzuckerlastige Rohkostjahr übelgenommen (mea culpa!) – der Allgemeinzustand meiner Zähne ist jedoch nach wie vor überdurchschnittlich.
Meine Haut reagiert weiterhin äußerst kritisch auf seelische Herausforderungen, sie ist leider seit 20 Jahren, von der Ernährung unabhängig, immer wieder recht unrein.

Nun zu Julia. Als vierfache Mutter, die seit fast elf Jahren ununterbrochen stillt, dürfte ihr Gesundheitszustand nach sieben veganen Jahren (davon drei als Rohköstlerin) von besonderem Interesse sein. Häufig sind es nämlich Frauen, die sich noch vor den Männern für eine vegane Lebensweise interessieren, und die gleichzeitig wegen ihrer Körperphänomene und -funktionen wie Ovulation, Austragung und Ernährung von Nachwuchs, ein leichtes Ziel für geschürte Mangelängste darstellen.

Um es kurz zu halten: Julia übertrifft ihren Mann in puncto körperlicher Gesundheit deutlich. Wie ich ist sie praktisch nie krank, aber ihre Zähne sind besser als meine (und kaum schlechter als vor sieben Jahren), Hautbild und Figur leuchten um Dimensionen schöner als zu tierischen Zeiten (eher wie mit 18) und ihre Fitness und antrainierte Beweglichkeit sind beispiellos – jedenfalls kenne ich persönlich keine weitere derart aufrechte und sportliche Mitdreißigerin.

Es gibt also überhaupt keinen Grund, einen sich über die Jahre schleichend manifestierenden Mangel aufgrund veganer Ernährung zu befürchten.

Damit möchte ich aber nicht sagen, dass jede Art veganer Ernährung an sich schon gesund wäre! So wie es viele Möglichkeiten gibt, pflanzliche Nahrung zu wählen, gibt es auch eine Menge falsche. Man kann sich pflanzlich und tierisch ungesund ernähren. Wer ausschließlich veganes Junkfood konsumiert, braucht sich über Mangelerscheinungen ebenso wenig zu wundern wie ein Schnitzel-gibt-Kraft-Verfechter.
Grundsätzlich ist jedoch Veganismus kein Mangelrisiko (von Vitamin B12 einmal abgesehen, das empfehle ich zu supplementieren).

Wenn man sich dafür entscheidet, ist das Leben ein Fest – und es gibt immer einen Grund zu feiern. Dieser Tage feiern wir zusätzlich zum goldenen Herbst unsere sieben veganen Jahre.
Und freuen uns auf viele viele weitere!

 

 


[1]Anmerkung: Zwei Ausnahmen erwähne ich, zähle sie jedoch nicht. Einmal war in einem Salatdressing durch ein Missverständnis unter den Köchen doch ein Teelöffel Joghurt gewesen. Und nach etwa drei Jahren Veganismus habe ich im Bioladen einmal an einem Probierstand aus Neugierde einen Krümel Käse versucht – um ihn dann diskret wieder auszuspucken.Den natürlichen tierischen Anteil meiner Nahrung, wie im grundsätzlich ungewaschenen Wildgrün übersehene Blattläuse etc., den es mit statistischer Sicherheit gibt, zähle ich ebenfalls nicht. So unvegan muss jeder größere Pflanzenfresser sein dürfen. 

2 Replies to “Sieben vegane Jahre!”

  1. Glückwünsche euch zum 7jährigen Jubiläum!
    Und ein Kompliment an Julia, für ihren schönen & beweglichen Körper, & ihre Kreativität bei der Nahrungszubereitung.
    Ja, die 7 ist eine besondere Zahl (wenngleich Katzen meines Wissens 9 Leben haben 😉 ).
    Du darfst zwei Menschen in deine Zählung von „konsequenten Veganer*innen“ mit aufnehmen: Ich selbst lebe nun seit über 11 Jahren vegan, davon 10,5 Jahre lang roh-vegan; „meine“ fast 12jährige Tochter schon ihr Leben lang (abgesehen von der Muttermilch in ihren ersten 7 Lebensjahren … die ja genaugenommen nicht vegan ist, oder? Jedoch immerhin aus veganem Material gebildet 😉 ).
    Liebe Grüße aus Portugal,
    Silke

    1. Liebe Silke,

      vielen lieben Dank, und über dein Kompliment hat sich Julia sehr gefreut!

      Oups, da habe ich die 7 bei den Katzen vor lauter Begeisterung wohl zusätzlich universalisiert.

      Ja, wie ist das mit der Muttermilch?
      Wenn man das rein chemisch betrachtet, also „keinerlei tierisches Protein“, sind unsere Kinder praktisch zu keiner Zeit ihres Lebens je vegan gewesen. Muttermilch gab und gibt es immer. Bei den ältesten Kindern kaum noch, aber eben auch nicht gar nie.
      Aus veganem Material gebildet genügt nicht. Sonst wäre Weiderindfleisch auch vegan.
      Ich würde sagen, wir definieren „nicht von Tieren“ als nicht von nicht menschlichen Tieren, stellen eine Unterscheidung her wie in „Mensch und Tier“. Dann sind die Kinder auch vegan.

      Ich freue mich, dass du und deine Tochter schon so lange konsequent vegan seid! Und ich finde es ganz wichtig, darauf hinzuweisen!

      Dir auch einen lieben Gruß

      Benedikt

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