Ins Vertrauen gehen

Heute ist mein Sohn bei seiner abendlichen Massage eingeschlafen.

Um es ihm so gemütlich wie möglich zu machen, wollte ich ihn schlafend ins Bett tragen; allerdings fehlte noch sein
Schlafanzugoberteil.

Ich verfolgte also den ambitionierten Plan, <!–more weiterlesen–> seinen schlafschweren Körper in einer sitzenden Position zu halten, ihm das Hemd über den Kopf zu ziehen und ihn dabei auch noch sanft zu behandeln,
nachdem er gerade erst so schön entspannt unter meinen Händen eingeschlummert war.

Dabei war es fast ganz dunkel.

Nun hat diese enge Hemd kein Schildchen im Ausschnitt, an dem ich hätte erkennen können, wo
hinten und wo vorne ist. Jedoch ist es vorne tiefer ausgeschnitten als hinten, was sich bei wenig Licht
aber erst richtig zeigt, wenn es bereits über seinen Kopf gezogen ist.

Das Herumdrehen an seinem Hals wollte ich ihm nun wirklich ersparen. Also wie herum anfangen?
Mein erster Gedanke: Ich ziehe das Hemd quer über seinen Kopf, mit den Ärmeln nach vorne und
hinten, dann brauche ich nur eine 90°-Drehung und es kann nicht passieren, dass ich komplett um
180° herum muss.

Plötzlich jedoch eine Erkenntnis wie ein kleiner Lichtstrahl:
Das Mittelmaß nehmen, um den Totalverlust auszuschließen?!
Auf Nummer sicher gehen?!
Nein!
Nie mehr!
Ich erreiche alles!
Ich greife nach den Sternen!

Väterlich, zärtlich, im Vertrauen auf das Leben, habe ich mein Kind ins Bett gelegt. Natürlich nach
einer 0°-Drehung des Hemdes.

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