Die Kraft der GFK – Teil 2

Quelle der GFK

Die Kraft der GFK, 2.Teil – das Wunder an der Quelle

Ich hatte mir also dieses Hörbuch gegriffen, um es auf der Autofahrt zur Quelle zu hören. Alle fünf bis sechs Wochen mache ich mich alleine mit unserem Bus voller leerer Flaschen und Kanister auf, um etwa 600 Liter Trinkwasser zu besorgen.

Diese Quelle entspringt unterhalb eines Laubwaldes unter Naturschutz und führt sehr weiches und köstliches Wasser, das in einem zu jeder Jahreszeit üppigen Schwall aus einem Edelstahlrohr direkt neben der Straße schießt.
Der Besitzer der Quelle hat sie zur allgemeinen Entnahme freigegeben – den Widerständen der örtlichen Behörden zum Trotz –, natürlich nicht ohne den Hinweis, dass für die Trinkwasserqualität nicht garantiert werde.

Da sich die herausragenden Eigenschaften dieses Wassers mit den Jahren herumgesprochen haben, begegne ich an der Quelle immer sehr vielen anderen Menschen, die sich mit gutem Wasser versorgen wollen, und zwar Menschen verschiedenster Herkunft und Alter. Neben Osteuropäern und Arabern treffe ich viele Österreicher vom Land mit breitem Dialekt, es halten aber auch Gebildetere, sowohl Luxuswagen als auch Traktoren.

Kaum jemand fährt jedoch so weit wie ich und entnimmt folglich so große Mengen auf einmal. Natürlich kann ich die Quelle nicht für zwei Stunden blockieren, also fülle ich eine gewisse Anzahl Behälter ab, lasse den Nächsten dran, fülle wieder ab usw. Dennoch löst meine Anwesenheit mit hunderten Behältern zu Stoßzeiten immer wieder Unmutsäußerungen aus.

Anders dieses letzte Mal, als ich schon auf dem Weg zu Quelle die erste CD des wunderbaren (für mich schon) Klassikers Marshall B. Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation gehört hatte.

Einer der Vorbesitzer unseres Busses hat in den Kofferraum zwei zusätzliche Lautsprecher angebracht. So konnte ich beim Abfüllen, Ausspülen, Verschrauben und Laden bequem weiterhören.

Als zu mehreren Wartenden mit einem Mal drei weitere Autos nahe der Quelle hielten, fühlte ich, wie sich der Stress in meinem Körper ausbreitete. Trotz der an sich schon körperlich sehr anstrengenden Arbeit beeilte ich mich, noch viel schneller zu leisten, vergaß, auf die Signale meines Rückens zu achten … bis ich plötzlich bemerkte, dass etwas anders war als sonst in solchen Situationen. Ich sah auf.

Sonst stehen die Wartenden vereinzelt um die Quelle herum, blicken auf die Uhr und auf den, der gerade abfüllt. Jetzt standen zehn Menschen, nahe beieinander, entspannt um meinen Kofferraum. Menschen, die sich nicht kannten, die mit einer anderen Absicht an diesen Ort gekommen waren.

Keiner schien es mehr eilig zu haben.

Als ich meine übliche Anzahl an Kanistern befüllt hatte und zum Auto trug, nahm keiner meine Einladung an, inzwischen die freie Quelle zu nutzen. „Tu nur weiter“, hieß es freundlich.

Im Vorbeigehen vernahm ich von einem jungen Mann zu seiner Begleiterin: „Das Hörbuch hätte ich gestern gebraucht, als…“

Dann lag ein stiller Zauber um uns und diesen Ort. Alle waren wir uns irgendwie nah und vertraut.

Meine Kanister waren bereits fast alle voll, weitere Menschen waren zu den Hörern gekommen, als ein älterer Bauarbeiter schüchtern zu mir trat und fragte, ob ich bitte die nächste CD einlegen könnte. Ich wunderte mich nicht einmal mehr.

Über eine Stunde war insgesamt vergangen. Ich hatte fertig eingeladen, teilweise mit Hilfe. Fünfzehn Menschen verabschiedeten mich mit dankbarem Lächeln, einige mit einem Händedruck. Eine Frau schrieb sich den Titel auf einen Zettel, ein Mann bestellte ihn sich sofort über sein Handy.

Mir war der Text der CDs dieser Stunde entgangen, aber die GFK hatte ich tief erfahren dürfen.

Die Kraft der GFK

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