Die Kraft der gewaltfreien Kommunikation (GFK) – Teil 1

Als ich kürzlich auf Regine Wolfs Blog gestoßen wurde, war das ein wenig wie ein Nachhausekommen.

Ich wurde daran erinnert, womit unsere Reise begonnen hat, unser Teilausstieg aus dem System, den üblichen Denkmustern, den üblichen Vorstellungen von „Erziehung“.

Ganz am Anfang stand die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg. Nein, halt, davor war noch ein ungeheuer wichtiges Buch, Liebe und Eigenständigkeit von Alfie Kohn. Das gab es damals nur auf Englisch, der treffendere Originaltitel lautet Unconditional Parenting – und darum geht es: Bedingungslose Elternliebe.
Uns wurde klar, dass Kinder keinerlei Erziehung oder Vermittlung von Werten brauchen, sondern einzig und allein bedingungslose Liebe – frei von Erwartungen oder Vorstellungen von der künftigen Entwicklung dieses kleinen Menschen, der da vor uns steht und mit uns lebt.

Alfie Kohns Vorschläge sind plausibel und leicht umzusetzen: Wir haben aufgehört zu vergleichen, zu loben, zu belohnen, zu bestrafen, zu „motivieren“ oder zu reparieren. Doch bedingungslose Liebe ist noch viel mehr.

Sie beinhaltet beispielsweise, auch in emotional schwierigen Situationen für das Kind zu handeln.

Zu der Zeit hatten wir noch keine Ahnung von der Tragweite der Entscheidung, einen Menschen als Subjekt zu sehen, und gleichzeitig eine echte, empathische Verbindung zuzulassen.

Die GFK war der nächste Schritt, allerdings der erste richtig große. Bislang hatten wir die üblichen Vorstellungen von Kindererziehung über Bord geworfen. Für Empathie mussten wir jedoch ans Eingemachte gehen, um diese Fähigkeit überhaupt erlernen zu können.

Was bedeutet Empathie?

Empathie bedeutet, die Gefühle eines Lebewesens wahrzunehmen und zu erkennen, sie zu fühlen, ohne sich so zu fühlen.
Schon die Theorie ist offensichtlich schwierig und riecht nach innerem Widerspruch: Wie kann ich Gefühle fühlen, ohne mich so zu fühlen? Mich mit dem Schmerz eines Menschen verbinden, den Schmerz fühlen, ohne dabei Schmerzen zu haben?
Mit dem Leid des anderen zu leiden bedeutet Mitleid: Dann fühle ich nicht sein Leid, sondern leide selbst – mein eigenes Leiden – und bin in der Folge wahrscheinlich darauf erpicht, sein Leid möglichst schnell zu beenden. Jedoch vor allem deshalb, um nicht mehr selbst zu leiden.

Wirklichen Trost erhält ein Leidender durch Einfühlung: Offen und alles andere als gleichgültig sitzt der empathische Zuhörer gegenüber – im Herzen (oder auch im Gesicht) lächelnd!

Gefühle wahrnehmen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen, ohne etwas ändern zu wollen, dabei im Frieden sein … bemerkst du etwas?

Für uns war die Sehnsucht nach Empathiefähigkeit für die Kinder der Antrieb, den Pfad des Erwachens zu betreten.
In einem knackigen Büchlein über die spirituellen Grundlagen der GFK schreibt Marshall Rosenberg:

„Selbst wenn die Menschen GFK mechanisch als eine Technik einüben, beginnen sie, Dinge zwischen sich und anderen Menschen zu erfahren, die sie zuvor nicht erfahren konnten. So kommen sie nach und nach der Spiritualität des Prozesses näher. Sie beginnen zu sehen, dass es mehr als ein Kommunikationsprozess ist. Sie realisieren, dass es sich wirklich um einen Versuch handelt, unsere Spiritualität auszudrücken.“

Genau das ist uns passiert. Wir hatten zuvor mit Spiritualität „nichts am Hut“. Die GFK war der Türöffner.

Seitdem sind weitere Kinder zu uns gekommen, wir haben praktiziert und spirituelle Bücher gelesen und nach jedem erreichten Meilenstein auf dem Pfad des Erwachens bemerken wir, dass wir ganz am Anfang stehen.

Der Anlass für meine Rückbesinnung auf die GFK ist ein erstaunliches Erlebnis jüngster Zeit, von dem ich im nächsten Beitrag ausführlich berichten werde. Es begann damit, dass ich mir für eine Autofahrt, die ich alleine antreten wollte, recht wahllos ein Hörbuch gegriffen habe, eben just Marshall B. Rosenbergs großes Werk Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens.

Die Kraft der GFK

Fortsetzung folgt…

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