Benedikts Auftritt im SWR „Nachtcafé“

Moderator Michael Steinbrecher zeigt ein Foto unseres Weizengrassafts. SWR Nachtcafé, "Du bist, was Du isst", 17.11.2016. Copyright SWR, Fotograf: Tom Oettle.

Moderator Michael Steinbrecher zeigt ein Foto unseres Weizengrassaftes. SWR Nachtcafé, „Du bist, was Du isst“, 17.11.2016. Copyright SWR, Fotograf: Tom Oettle.

Die tatsächliche oder zugedachte Exotenrolle

Viele schöne Rückmeldungen aus der veganen und Rohkostszene haben uns erreicht, nachdem schätzungsweise 600.000 Menschen meinen Auftritt in der rennomierten Talksendung „Nachtcafé“ des SWR verfolgt haben.

(Wer die Sendung nicht gesehen hat, kann das hier nachholen.)

„Sympathisch“, „klar“, „authentisch“, „tapfer gehalten“… in dieser Art waren die Kommentare. Und solcherart war wohl auch die mir von der Redaktion zugedachte Rolle: Vegane Rohkost ist etwas, das freundliche und harmlose, isolierte, höchstens im Internet sozialisierte Exoten betreiben, um sich einer Gruppe zugehörig fühlen zu können, wenn nicht gar um einen Ersatz für fehlende Religiösität zu finden. Gesundheitlichen Nutzen gibt es nicht, im Gegenteil, wenn man sich nicht exzessiv mit Ernährung und Supplementierung auseinandersetzen möchte, droht ständig der Mangel. Definitiv ist vegane Rohkost also nichts für die breite Masse.

Es war mein erster Fernsehauftritt überhaupt. Im Nachhinein wundere ich mich auch nicht, dass unter den Rohkost-Bloggern gleich mehrere mir bekannte Menschen vom SWR für die Sendung angefragt worden waren und dankend abgelehnt hatten.

Dass die Aufzeichnung so verlaufen konnte, war nur durch meine Naivität möglich. Nach der ehrlichen Beantwortung aller Fragen, die mich geschickt in die jeweils gewünschte Richtung gelenkt haben, blieb überhaupt keine Zeit mehr, das zu sagen, was mir wichtig gewesen wäre. Mit etwas mehr Kaltschnäuzigkeit hätte ich an einigen Stellen kurz mit einem Allgemeinplatz punkten und dann selbstbewusst  – selbstbewusstes Auftreten schützt gegen Unterbrochenwerden – für unsere Ernährungsweise werben können.

Beispiel:

Moderator: „Was sagt Ihre Verwandtschaft, dass Sie jetzt in Oberösterreich wohnen und sich so ernähren?“

Anstatt auf den Schmerz und die Ängste unserer Mütter zu sprechen zu kommen, wäre folgendes treffend gewesen:

Ich: „Verwandte, insbesondere die Eltern, wünschen sich ja am meisten, dass ihre Kinder gesund und glücklich sind. Und wir sind mit unserer Lebensweise so gesund, kraftvoll, glücklich und feinfühlig wie nie zuvor!“

Weiter ist es der Redaktion gelungen, unsere Nahrung als vermeintlich gesund, aber alles andere als lecker dastehen zu lassen. In der Vorbesprechung habe ich auf die Bitte um Bereitstellung eines grünen Saftes schon angemerkt, dass dieser vermutlich kaum jemandem unter den anderen Gästen schmecken dürfte (da gänzlich ungewohnt in seiner lebendigen Intensität) und außerdem der Aufwand, den Saft tatsächlich während der Sendung frisch pressen zu lassen, nicht unerheblich sei.
Vermutlich hat gerade die Information des Nicht-Schmeckens die Redakteurin zu der Hartnäckigkeit bewogen, aufgrund derer ich schließlich zugestimmt habe.

Gerne hätte ich unseren Weg skizziert, auf dem jeder Schritt zur einfacheren, grüneren Kost, zur Entkonditionierung und Reinigung unseres Geschmacksempfindens gemeinsam mit den Kindern nur dadurch möglich ist, dass Julia für alles Weggelassene jeweils einen mindestens genauso leckeren „hippocratischen“ Ersatz kreiert.
Für Menschen, die noch nicht so weit sind, haben wir für jede Phase des Umstiegs die größten Gaumenfreuden parat. DAS hätte ich irgendwie sagen sollen.

Die Rohköstler kennen die gesundheitlichen Vorteile, den Geschmacksreichtum und vor allem den reineren Geschmackssinn ohnehin aus eigener Erfahrung. Leider war mein Auftritt nicht geeignet, um den größeren Teil der Zuschauer, die Normalköstler, zu erreichen oder zu inspirieren. Das lag einerseits an mir, andererseits wollte es das Design der Sendung auch nicht.

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Fernsehkoch Alfons Schubeck probiert unseren Sonnenblumensaft. SWR Nachtcafé, „Du bist, was Du isst“, 17.11.2016. Copyright: SWR, Fotograf: Tom Oettle

Im Nachhinein ist man immer schlauer.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, das SWR-Team hat mich freundlich und respektvoll behandelt. Nur war meine vorgesehene Rolle in der Gesprächsrunde eben nicht die eines Experten oder Diskussionsteilnehmers, sondern die eines netten Fallbeispiels. Das zeigt sich besonders deutlich an folgender, dem Zuschauer nicht ersichtlicher Tatsache:

  1. An einer Stelle hatte ich kurz über den störanfälligen Aufnahmemechanismus von Vitamin B12 in unserer Verdauung berichtet.
  2. An einer anderen hatte ich Uwe Knop unterbrochen, das Wort erhalten und mit zwei Sätzen sein ganzes Konstrukt zum Einsturz gebracht, sinngemäß: „Wildlebende Rehe sind Wesen mit reinem Bauchgefühl, die sich bei der Nahrungsaufnahme nur auf ihren Geschmackssinn verlassen können und nicht durch geldgierige Ernährungswissenschaftler [Knops Worte] verwirrt worden sind. Setzt man Rehen ein Feld mit entbittertem Zuchtraps neben den Wald, fressen diese nichts anderes mehr und gehen daran zu Grunde – die Wirkung unnatürlicher Nahrungsmittel.“ Knops reflexhafte Anwort: „Wir sind doch keine Rehe.“ Ich: „Aber den Rehen fehlt genau der typisch menschliche Teil, nämlich der Verstand, der uns von unserem Bauchgefühl entfernen kann.“

In den Gesprächen vor und nach der Aufzeichnung ist mir außerdem ersichtlich geworden, dass mein Fachwissen sich vor dem des „Wissenschaftlers“ Knop überhaupt nicht verstecken braucht. Ich selbst habe in den letzten Jahren hunderte wissenschafliche Studien, häufig im Originaltext, gelesen und daraus meine Schlüsse gezogen. Dies zu transportieren war jedoch wie geschildert in der Sendung nicht erwünscht.

Beide Stellen wurden vom SWR im Nachhinein aus der Aufzeichnung geschnitten und waren in der eigentlichen Sendung nicht mehr zu sehen.

 

Titelfoto: v.li.: Dr. Thomas Ellrott, Benedikt Stamm, Katrin Kasper, Michael Steinbrecher (Moderation), Alfons Schuhbeck, Uwe Knop, Kristin Deppe, Daniel Wallerstorfer.
SWR Nachtcafé, „Du bist, was Du isst“, 17.11.2016. Copyright: SWR, Fotograf: Tom Oettle.

7 Gedanken zu „Benedikts Auftritt im SWR „Nachtcafé“

  1. Während meiner Frühlingsfastenwoche, in der ich viel im Internet nach Informationen über gesunde Ernährung gesucht habe, bin ich zufällig auf die Aufzeichnung der Nachtcafe-Sendung gestoßen. Ich bin durch Benedikts Aussagen sehr neugierig auf eure Art der Ernährung geworden. Also hab ich gleich gegoogelt, habe eure Seite gefunden, gleich euer tolles ebook gekauft und bin nun hochmotiviert dabei, meinen Wintergarten sinnvoll zur Sprossenanzucht zu verwenden. Insofern kann ich Benedikt beruhigen: bei einigen der Normalköstler – wie ich einer bin – ist seine Botschaft durchaus angekommen und auch auf fruchtbarem Boden gelandet 😉
    Das wollte ich euch nur einfach wissen lassen – und euch beglückwünschen! Zu euch und euren Kindern. Ich kann zwar nur dem Eindruck nach urteilen, den ich durch diese Seite von euch gewonnen habe, aber danach scheint ihr das große Glück zu haben gemeinsam genau das Leben leben zu können, das ihr euch wünscht.

  2. Habe mir auch die Sendung gerade angeguckt. Schön das Katrin Kasper mit ihrem Aufklärungsversuch an Uwe Knop nicht rausgeschnitten wurde. Veganer und Rohköstler haben auf Bauch und Gehirn gehört und entsprechend gehandelt. Wer in eine Dönerbude geht und sagt das ist Gesundes Essen das brauchte mein Körper gerade der ist in meinen Augen nicht bei sich. Worauf er da immer hört ist nicht sein Körper. Leider gibt es genug Menschen die in den Medien die Masttierhaltung und Milchindustrie Unterstützen.
    Mitlerweile gibt es genug beweise, siehe China Study die Milch und Fleisch verzehr als eine der größten mit verursachenden Krebs Erkrankungsgründe aufdeckt. Von anderen Krankheiten wie Osteoperose usw ganz zu schweigen die erst langsam als Rückschluß auf falsche Ernährung im Mainstream auftauchen.

    Sproßen sind mit die Gesündesten Nahrungmittel da gibt es kein Rütteln.

  3. Ich habe mir die Sendung jetzt nachträglich angeschaut und ich finde, dass der Auftritt genau richtig war, um bei vielen Menschen das Interesse zu wecken um weiter zu recherchieren und die Verbesserung der Lebensqualität, die diese Ernährung mit sich bringt, zu spüren! Das sollte meiner Meinung nach auch das Ziel sein!
    Vieles in unserer Gesellschaft wird einfach nur durch viele kleine Schritte verändert und für manches muss manchmal auch erst der richtige Zeitpunkt gekommen sein!
    Außerdem hatten Sie und Ihre Sitznachbarin die reinste, offenste und netteste Ausstrahlung – an Ihrer Stelle würde ich mich wirklich über diesen gelungenen Auftritt freuen!,

  4. Liebe Ihr, bitte seht den Auftritt im SWR Nachtcafé nicht zu trüb … Seit vielen Jahren habe ich keine Sprossen mehr angebaut, aber nach dieser Sendung hab ich am nächsten Tag meine Sprossenzucht wieder aktiviert bis zum heutigen Tag! Selbst meine vierjährige Enkelin kostete und hörte nicht mehr auf, die frischen grünen Sprossen vorsichtig heraus zu zupfen und zu verspeisen. So wie mir ist es bestimmt vielen ergangen. Also war Ihr Auftritt im Fernsehen eigentlich ein großer Gewinn! Für mich auf jeden Fall. Schönen Advent!

  5. Ja, der Uwe Knop, hat nur mit Unwissen geglänzt. Bei den anderen Experten war auch erschreckend zu sehen/hören, wie wenig Wissen doch vorhanden ist.
    Da die Sendung für eine breite Masse ausgelegt ist und bei so vielen Gästen kann man nur durch sich selbst punkten, d.h. von sich erzählen und sagen was man tut. Das wird verstanden. Zu sehr ins Detail gehen bringt nichts, denn das versteht in der Masse eh keiner.
    Immerhin hat es ein Rohköster in die Sendung geschafft; so exotisch scheinen sie nun nicht mehr zu sein. Doch schmecken darf es noch nicht, sonst hätte man auch einen grünen Smoothie reichen können.

    1. Stimmt wann sieht man mal einen Rohköstler in einer Deutschen Sendung.
      Meist als Freak veräppelt oder mit Ellenbogenstoß und augenzwinkern ein wenig defamiert.
      Ich kann mich da nur an eine Sendung mit Markus Rothkranz erinnern.
      Der hat einen Wildkräutersmoothie für alle gemacht. Der Kommentator hat da teilweise schon ein bisschen Negativ agiert.

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